Im Wintersemester 2020/21:


Medienwissenschaftliches Kolloquium


Vorbesprechung am 26.10.2020 in Raum AH-110
Blockveranstaltung am 30. und 31.10.2020

Ausgangspunkt jeder wissenschaftlichen Arbeit ist die Wahl eines geeigneten Themas. Diese Themenwahl ist von entscheidender Bedeutung, weil sie später nicht oder nur schwer korrigiert werden kann. Dieses Seminar soll Ihnen helfen, ein geeignetes Thema für die Masterarbeit auszuwählen und einzugrenzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen eines Walking-Seminars statt. Bitte bringen Sie daher gutes Schuhwerk und ggf. regensichere Kleidung mit. Wir wandern auf alten Keltenwegen zur Wasserburg nach Netphen-Hainchen (17 km) und übernachten dort vom 30. auf den 31. Oktober. Die Vorbesprechung findet am 26.10. um 18 Uhr statt.


Ringvorlesung „Interrogating Data Practices – Interdisciplinary Perspectives“


Mittwoch von 18 bis 20 Uhr

Für die neuen sensorgestützten oder autonom agierende Medien lässt sich konstatieren, dass die Daten, die sie erheben, berechnen und valorisieren, häufig einer menschlichen Bedeutungskonstitution entzogen sind. Mit der intransparenten, infrastrukturellen Distribution von Daten durch Algorithmen oder Smart Devices korrespondieren dezentrierte und fragmentierte Öffentlichkeiten. Durch ihre Verteiltheit über Apps, Plattformen und Cloud-Infrastrukturen können Medienpraktiken nicht länger ohne die mit ihnen verbundenen und ihnen zugrundeliegenden Datenpraktiken erforscht werden. Im Zentrum dieser Ringvorlesung steht daher die Rolle von Daten und Datenpraktiken für die lange Zeit getrennt voneinander untersuchten infrastrukturellen und öffentlichen Medien.

Die Ringvorlesung gewährt dazu disziplinär unterschiedliche Einblicke in die aktuelle Handlungsmacht von Datenpraktiken, die an die Geschichte digitaler Medien zurückgebunden werden. Dazu gehen die verschiedenen Vorträge von der These aus, dass Medien und Medienpraktiken nicht ohne Daten und Datenpraktiken zu konzeptualisieren sind. Folgt man dieser These, hat dies Auswirkungen auf die analytische, methodische, theoretische und gestalterische Durchdringung der Nahtstellen des Infrastrukturierens und des Veröffentlichens, die im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe entfaltet werden.

Die Ringvorlesung findet in Zusammenarbeit mit dem Sonderforschungsbereich „Medien der Kooperation“ und dem Graduiertenkolleg „Locating Media“ statt. Die Vorträge und Diskussionen sind auf Deutsch und/oder Englisch.


Following, Tracking, Tracing – Ortungspraktiken lokativer Medien


Mittwoch von 14 bis 16 Uhr in Raum EGV-H 102

Smartphones, Fitnessarmbänder, Action Kameras und andere ‘smarte’ Geräte sind längst ständige Begleiter unseres Alltags geworden. Wir nutzen sie zur Navigation, zur (Selbst)Dokumentation bzw. Selbstoptimierung und in zunehmendem Maße auch für Applikationen, die unter dem Stichwort ‘Augmented Reality’ zusammengefasst werden können.

Den genannten Medien ist eine inhärente Ortsbezüglichkeit gemein, die sich in konkreten Funktionen und Praktiken des Lokalisieren und Nachverfolgens ausdrückt. Auffällig ist dabei, dass die durch die Positionierungstechnik generierten Daten zunehmend auf der Microebene, d.h. in Innenräumen, in unmittelbarer Nähe des eigenen Körpers oder in digitalen Räumen wirkmächtig werden. Gleichzeitig rücken die Nutzer*innen ins Zentrum des Lokalisierungsvorgangs: Webseiten werden im Moment des Aufrufs unter Berücksichtigung des eigenen Standorts ‘maßgeschneidert’, die Karte des Navigationssystems bewegt sich um den stets in der Bildmitte verharrenden Cursor herum. Dabei ist kennzeichnend, dass die Positionsbestimmung von App- und Plattformbetreibern sowie staatlichen Institutionen über den bloßen navigatorischen Kontext hinaus genutzt wird, um eine Verfolgung der Nutzer*innen im Sinne einer Überwachungslogik durchzuführen – etwa zur Platzierung personalisierter Werbung und Nachrichten oder zur Durchsetzung rechtlicher Limitierungen (regional verfügbarer Content, Geofencing u.Ä.).

Ziel des Seminars soll sein, verschiedenste Technologien und Praktiken, die sich unter der begrifflichen Trias Locating/Tracking/Tracing fassen lassen, genauer zu differenzieren und anhand gemeinsam durchgeführter Experimente zu beforschen. Die praktische Forschung wird ergänzt um die Lektüre einschlägiger Texte, die die Verortungstechnik mediengeographisch konturieren und innerhalb des Überwachungs- und ‘Quantified Self’-Diskurses positionieren.


Grundlagen des Game Design


Mittwoch von 10 bis 12 Uhr in Raum EGV-H 102

Brettspiele wie Schach oder Mensch ärgere dich nicht sind seit Jahrhunderten – mit leichten Variationen – über verschiedenste Kulturräume hinweg etabliert und können als Klassiker unter den Brettspielen bezeichnet werden. Spätestens mit dem Erscheinen von GTA V und Fortnite wird auch dem digitalen Spiel eine dominante Position innerhalb der gegenwärtigen Popkultur zugestanden. Gleichzeitig scheint der öffentliche Diskurs in den letzten Jahrzehnten von den Fragen danach, was man mit Spielen machen kann (Stichwort: ‘Gamification’, ‘Serious Games’) bzw. was Spiele mit einem machen (Stichwort: Sucht- und Killerspieldebatte) geprägt zu sein.

Im Rahmen des Seminars möchten wir einen Schritt zurücktreten und uns der den übrigen Perspektiven vorgängigen Frage danach widmen, welche Faktoren für das ‘Funktionieren’ eines Spiels verantwortlich sind. Oder anders ausgedrückt: Wie man ein Spiel macht.

Konkret wollen wir uns der Analyse und Modifikation bestehender Spiele bzw. ihrer Regelsystem, sowie der Entwicklung eigener Prototypen widmen. Die dabei vermittelten Konzepte und Methoden des Designs werden zwar anhand der beispielhaften Auseinandersetzung mit Spielen erlernt, sollen aber letztendlich als Form unspezifischen ‘Design Thinkings’ auch außerhalb der Spielsphäre – also bei Design und Entwicklung andere Medienprodukte – einsetzbar sein.

Im Sommersemester 2020:


Geomedien: Aktuelle Theorien und Diskurse


Dienstag von 10 bis 12 Uhr in Raum AH-A 110

Ob das Internet der Dinge, Big Data, Drone Media oder Augmented Reality: Geodaten erfassen immer mehr unser Alltagsleben und den Wissenschaftsdiskurs. Das Seminar „Geomedien“ bietet einen umfassenden Überblick zu aktuellen Forschungsfragen, die sich entlang der Schnittfelds von Geographie und Medien entfalten. Hierzu zählen insbesondere geographische Imaginationen und Datenvisualisierungen, die mit Hilfe alter und neuer Medien erzeugt werden.
Grundlage des Seminars ist das Handbuch „Mediengeographie“, das zentrale ins Deutsche übersetzte Schlüsseltexte in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Raummedien und Medienräumen beinhaltet. Zudem wird in Überblicksbeiträgen der Forschungsstand zur Geographie der Medien diskutiert. Dies umfasst zum einen die Disziplinen der Filmgeographie, Computerspielgeographie, Internetgeographie etc. wie auch die verschiedenen raumbezogenen Kultur- und Soziotechniken, die den Diskurs über Drohnen, Mobilmedien, Smart Devices etc. bestimmen.


Geschichte der Ethno- und Technomethodologie


Mittwoch von 14 bis 16 Uhr in Raum AH-A 110

Das Seminar befasst sich mit zentralen Texten der Ethno- und Technomethodologie, die bis heute Grundlage für das Verständnis von Wissenschafts-, Technik- und Medienforschung sind. Lektürebasis des Seminar ist Harold Garfinkels Werk »Studien zur Ethnomethodologie«, das 1967 die Sozialwissenschaften revolutioniert hat, indem es menschliches Alltagshandeln zum Gegenstand der Forschung machte. Soziale Wirklichkeit wird, so die These, durch alltagspraktische Handlungen hergestellt. Diese uns selbstverständlich erscheinenden Praxen nahm Garfinkel ins Visier und werden auch im Seminar diskutiert. Hierzu gehören Praktiken der Datengewinnung, der Navigation, des Genderns, der Entscheidungsfindung, des Erläuterns, der Mensch-Maschine-Kommunikation, des Rechtfertigens etc.


Geographien digitaler Räume


Mittwoch von 14 bis 16 Uhr in Raum EGV-H 102

Lange Zeit war der öffentliche Diskurs über digitale Räume geprägt von utopisch überhöhten Hoffnungen auf neuartige virtuelle Umgebungen; parallel dazu führte die zunehmende Digitalisierung zu Immaterialisierungsängsten, zur Furcht vor der Verdrängung des ‚Realen‘ durch das ‚Digitale‘. Während das Internet als Möglichkeitsraum für Demokratie und kreativen Austausch bejubelte wurde, sorge man sich gleichzeitig um die negativen Auswirkungen des Internetversandhandels auf den urbanen Raum oder um Jugendliche, die ein gefühltes Übermaß ihrer Freizeit im ‚Cyberspace‘ digitaler Spiele verbrachten.
Spätestens mit dem Aufkommen der mobilen lokativen Medien und der damit einhergehenden Einsicht, es weniger mit einer Verdrängung durch das Digitale, als vielmehr mit einer Hybridisierung von digitalem und physischem Raum zu tun zu haben, verlieren diese emotional aufgeladen Diskurse an Schärfe – in den Fokus rückt nun die Frage nach den spezifischen Verhältnissen digitaler, sozialer und physischer Räume sowie ihrer Bewohner. Im Zentrum dieser Argumentationen steht dabei eine Vorstellung von digitalen Medien als ‚Raummaschinen‘, die etablierte Räume transformieren oder sogar völlig neue Räume erschaffen können.
Hier setzt das Seminar an: Auf Basis theoretischer Überlegungen zur Raumproduktion unter digitalen Bedingungen sollen die Studierenden in kurzen Experimenten die Eigenschaften unterschiedlicher, durch digitale Medientechnik hervorgebrachter bzw. modifizierter Räume selbstständig erforschen. Die Untersuchungsgegenstände können dabei digitale Spiele, Location-Based Services oder gegenwärtige Hybridtechnologien wie Augmented- und Virtual Reality-Interfaces umfassen, aber auch mit einer Raummetaphorik versehene Kommunikationsanwendungen, Navigationssoftware etc. Die zu dieser Arbeit nötigen Methoden werden auf Basis der Seminartexte gemeinsam erarbeitet und nach Sichtung der Ergebnisse kritisch diskutiert.

Im Wintersemester 2019/20:


Die Entfesselung der Kamera – Von den Anfängen des Films bis zur Bildästhetik der Drohne


Dienstag von 12 bis 14 Uhr in Raum AH-A 110

Bereits in der frühen Entwicklung des Films etablierte sich das Ideal der “entfesselten Kamera”, welches den Wunsch hervorbrachte eine Bildsprache zu entwickeln, die über die körperlichen Beschränkungen der menschlichen Sehweise hinausgeht. So schrieb der russische Filmavantgardist Dziga Vertov bereits mitte der 1920er Jahre:

Bis auf den heutigen Tag haben wir die Kamera vergewaltigt und sie gezwungen, die Arbeit unseres Auges zu kopieren. Und je besser die Kopie war, desto höher wurde die Aufnahme bewertet. Von heute an werden wir die Kamera befreien und werden sie in entgegengesetzter Richtung, weit entfernt vom Kopieren, arbeiten lassen. (zit. nach Brinkmann 1997: 281)

In den polygonbasierten, dreidimensionalen Repräsentationen des digitalen Spiels verwirklichte sich diese Idee scheinbar – allerdings mit der Einschränkung, dass die simulierte Kamera, verstanden als Spielelement, nun nicht mehr den Regeln der Physik, sondern den Spielregeln unterlag. Gegenwärtige Drohnenaufnahmen scheinen an diese Entwicklung anzuknüpfen und den im Spiel bereits teilweise realisierten Wunsch nach Bewegungsfreiheit zurück in die physische Welt zu übertragen.
Ziel des Seminars soll es daher sein, diese „Befreiungsgeschichte“ der Kamera nachzuzeichnen. Anhand von Beispielen aus klassischen und kontemporären Filmen, digitalen Spielen und Drohnenaufnahmen soll analysiert werden, welche Bildästhetiken mit den jeweiligen technischen Gegebenheiten, insbesondere mit den spezifischen Bewegungseinschränkungen bzw. -möglichkeiten der Kamera, einhergingen (und gehen).


Grundlagen praxeologischer Spielforschung


Mittwoch von 14 bis 16 Uhr in Raum AH-A 110

Kulturwissenschaftlicher Spielforschung geht es um die Beschreibung von analogen und digitalen Spielen innerhalb des breiteren historischen und (spiel)kulturellen Kontextes. Ein Schwerpunkt liegt daher auf der Analyse jener medialen Praktiken und ästhetischen Situationen, mit bzw. in denen sich Spielende die jeweiligen Spiele, d.h. die Regelsysteme und Narrationen sowie ihre materiellen Korrelate aneignen.
Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des Seminars, eine methodische Einführung in die praxeologische, d.h. praxiszentrierte Spieleforschung zu geben und diese gleichzeitig im Feld der Game Studies zu verorten. Die erarbeiteten methodischen und theoretischen Grundlagen werden zu diesem Zweck auf gemeinsam erprobte Spiel- und Aneignungspraktiken (etwa das Speedrunning oder das Erstellen eigener Level) angewandt. Mit der Anfertigung von Spielprotokollen und Vignetten erlernen die Studierenden die Grundlagen ethnographischen Arbeitens und produzieren selbst das Datenmaterial für die weitere Analyse. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf den Wahrnehmungen und Empfindungen der Spielenden, ihrer Performance (verstanden nicht als Leistung, sondern als situationsgebundene Handlung) und ihren individuellen Spielweisen, sondern auch auf der Ästhetik, Medialität, Materialität und Technizität des Spiels und der Frage danach, wie diese Faktoren in die konkrete Spielsituation hineinwirken.

Im Sommersemester 2019:


Drohnen-Interaktionen erforschen


Blockseminar

Bevor der Mensch fliegen konnte, war die Sicht von Oben eine imaginäre Konstruktion. Interessanterweise hat diese Form der Herstellung von „virtueller Realität“ bei der Durchführung von Drohnen-Interaktionen nach wie vor Bestand, wenn wir mit Quadrocoptern in neue Bildwelten vorstoßen. Die Bildinteraktionen führen zu sich vielfach überlagernden Über- und Zusammensichten, deren vereinheitlichende Bildsprache sich in einem fortwährenden Aushandlungsprozess befindet, der sich bislang nicht stabilisiert hat – aber der sich auch aufgrund der Vielzahl der fluiden, in Bewegung befindlichen Akteure auch kaum stabilisieren lässt. Die Analyse und Gestaltung dieser Prozesse steht dabei vor der Herausforderung, der Situiertheit der visuellen Sichtweisen und Einblicke gerecht zu werden und diese zugleich theoretisch abstrakt und so allgemein wie möglich beschreibbar zu machen. In diesem forschungspraktischen Seminar soll anhand der Analyse von Drohnen-Interaktionen der Frage nachgegangen werden, welche Praxeologie des Bildes sich durch das Ensemble von Drohne, Kamera und Interface manifestiert und welche neue Form situierter Bildlichkeit durch die mit Drohnen erzeugten Interaktionsräume erzeugt wird.

Im Wintersemester 2018/19:


Digitale Skills: Droning


Blockseminar

„Drohnen werden bleiben. Gewöhnen Sie sich daran!“ – so lautet 2018 eine der Titelgeschichten des Time-Magazins. Das US-Nachrichtenmagazin erklärt die Gegenwart zum „Zeitalter der Drohne“. Die Medien der Drohne sind vielfältig und komplex, denn wir haben es nicht nur mit der Drohne selbst, sondern einem Ensemble aus Smartphone oder Tablet, Actionkamera, Flugzeug und diversen Online-Plattformen (wie www.dronestagr.am) zu tun, die allesamt beherrscht und bedient werden müssen, wenn wir mit Drohnen fliegen und andere an unserem Erlebnis teilhaben lassen wollen. Aufgrund dieser Heteronomie der Elemente gehört die Medien-, Bild- und Flugpraxis des „Droning“ zu einer polytropen digitalen Fertigkeit, die im Rahmen dieses Blockseminars erprobt und evaluiert werden soll. Die Studierenden haben dabei die Gelegenheit, selbst Drohnen zu fliegen, und die mit der Drohne verbunden Kamera-, Bild- und Plattformtechnologien ethnographisch zu erforschen.


Medienwissenschaftliches Kolloquium


Mittwoch von 16 bis 18 Uhr in Raum AH-A 110

Ausgangspunkt jeder wissenschaftlichen Arbeit ist die Wahl eines geeigneten Themas. Diese Themenwahl ist von entscheidender Bedeutung, weil sie später nicht oder nur schwer korrigiert werden kann. Dieses Seminar soll helfen, ein geeignetes Thema für die Masterarbeit auszuwählen und einzugrenzen. Hierzu werden die folgenden Fragen diskutiert: Was will ich über das Thema wissen? Welche Fragen möchte ich beantworten? Wie wird der Arbeitsaufwand voraussichtlich aussehen? Die Studierenden werden dabei u.a. auf die Erstellung eines Exposés vorbereitet.


Einführung in die Mediengeographie


Mittwoch von 10 bis 12 Uhr in Raum AH-A 217/218

Das Internet der Dinge, Big Data, Action Cams, Drone Media, Mobile GIS, Sensored Life: Geodaten erfassen immer mehr unser Alltagsleben und den Wissenschaftsdiskurs. Es scheint, als konstituierte sich, ausgelöst durch die Indexierbarkeit des Raumes, eine völlig neue Gattung von Medien – die Geomedien.
Nimmt man allerdings die Etymologie des Wortes „Medium“ (lat. „Mitte“) ernst, versteht man ein Medium also als das „in der Mitte Befindliche“, so war die Kategorie des Raumes für die Medienwissenschaft schon immer von zentraler Bedeutung: „Medium als Mitte meint die Topologie und Topographie des Mediums, seine Verortung im kartesischen Koordinatensystem von Raum und Zeit, insbesondere im Raum“ (Weber 2001: 24). Medienwissenschaft war dementsprechend schon immer Mediengeographie.
Diesem Gedanken folgend, soll das Seminar einen dezidiert mediengeographischen Zugang zu Medien vermitteln, der ihre „räumlichen und topographischen Erstreckungen“ (Nohr) ernst nimmt und analysiert. Anlässlich der Neuauflage des „Handbuch Mediengeographie“ bietet sich die Chance, anhand klassischer und aktueller Textbeiträge einen Überblick über die verschiedenen Spielarten der Mediengeographie zu erlangen und diese auf rezente wie auch auf historische Medienentwicklungen zu beziehen.
Die Studierenden sollen im Rahmen des Seminars mit den allgemeinen Grundlagen der Mediengeographie vertraut gemacht werden und einen Überblick über den Diskurs der medial bedingten Raumproduktion erhalten.
Der Erwerb einer Studienleistung erfordert das Halten eines Referats (Gruppengröße und Dauer hängen von der Anzahl der Teilnehmer ab) sowie die wöchentliche Lektüre samt Beantwortung der Textfragen. Der Erwerb einer Prüfungsleistung erfordert das Anfertigen einer Hausarbeit des üblichen Umfangs.

Im Sommersemester 2018:


Sensormedien


Mittwoch von 14 bis 16 Uhr in Raum AH-A 036-039

Sensortechnik ist in der aktuellen Medienlandschaft allgegenwärtig: Sie erschließt neue Interfaceformen durch das Tracking von Bewegungen und Blicken, ermöglicht personalisierte Interaktionen mittels Sprach-, Gesichts- und Fingerabdruckerkennung und bildet den Grundbaustein für alle Formen von Hintergrundassistenzsystemen. Auch in den Bereichen des autonomen Fahrens sowie der autonomen Fertigung (Industrie 4.0) spielen Sensortechnologien eine tragende Rolle: „Autonomie“ impliziert stets die Notwendigkeit einer ständigen Abtastung der Umgebung um diese durch Sensordaten berechen- und damit navigierbar machen zu können. Gleichzeitig entziehen sich Sensormedien dem Zugriff klassischer medienwissenschaftlicher Zugänge – insbesondere die repräsentationalen Qualitäten der Medien scheinen nicht mehr von Bedeutung zu sein.
Ziel des Seminars ist es daher, die Spezifik der Sensormedien sowohl medientheoretisch als auch praxeologisch zu konturieren. Medientechnik darf dabei nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss stets als Teil eines „Stacks“ aus verschiedenen Hard- und Softwareebenen, aus Infrastrukturen und sozialen Akteuren verstanden werden. Die Spezifik dieses Zusammenspiels von menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren wirft dabei die Frage auf, ob Sensormedien aufgrund ihres ständigen (Hintergrund-)Verfügbarkeit und ihrer unaufhörlichen Verbindung zum menschlichen Körper Mediennutzung und MediennutzerInnen neu konstituieren.


Medienwissenschaftliches Kolloquium


Mittwoch von 16 bis 18 Uhr in Raum AH-A 228

Im Rahmen dieses Kolloquiums werden aktuelle Forschungsfragen erörtert, Forschungsprojekte diskutiert und der wissenschaftliche Schreibprozess vorbereitet und begleitet. Im Zentrum stehen Fragen zum Forschungsdesign und den Forschungsmethoden, der wissenschaftliche Arbeitsprozess (Zeit- und Krisenmanagement, Arbeitstechniken etc.) sowie ausgewählte Themen der Medienforschung. Das Kolloquium bietet auch den Promovierenden die Gelegenheit, ihre Forschungsarbeiten vorzustellen, um so in einen produktiven Diskurs mit den Studierenden zu treten. Die Studierenden haben im Rahmen des Kolloquiums u.a. die Gelegenheit, zur Vorbereitung auf ihre MA-Arbeit ein Exposé zu erstellen.

Im Wintersemester 2017/18:


Historiographien und Technologien der Ortung und Navigation


Mittwoch von 12 bis 14 Uhr in Raum AH-A 102-104

Das Seminar liefert einen Einblick in die Mediengeschichte navigatorischer Praktiken des 19. und 20. Jahrhunderts. Dazu wird die historische Valenz der verschiedenen Ortungstechnologien untersucht. Der Fokus liegt dabei auf den Medien und Medienprozessen der operationalisierten Zeitdifferenzmessung: Ortungstechniken des Sonar, Radar und GPS. Ziel ist dabei ein zweifaches. Einerseits liefert das Seminar einen Einblick in die Mediengeschichte der Ortung. Zum zweiten wird auf dieser Grundlage nach der Transformation kartographischer und navigatorischer Verfahren gefragt: vom papierenen Fotofahrtenführer bis hin zur digitalen Lokalisierung. Ziel des forschungsorientierten Seminars ist es, auf der methodologischen Grundlage der Science and Technology Studies konkrete medientechnologische Entwicklungen erkenntniswissenschaftlich und mikrogeschichtlich nachvollziehbar zu machen.


Die Bedrohnung – Fliegende Kameras: Organisation und Konzeption einer Ausstellung


In den letzten Jahren sind Drohnen und deren Bildwelten populär geworden und haben unsere Medienpraktiken und -imaginationen erfasst. Drohnen sind nicht nur ein militärisches Angriffsmittel, sondern kommen auch in humanitären Hilfsaktionen, bei Sportereignissen, als Spielzeug oder aber auch als Instrument der Wetterbeobachtung und Paketauslieferung zum Einsatz. Als visuelles Mittel zur Verfolgung von Personen, Artefakten und Ereignissen sind sie zunehmend Gegenstand künstlerischer Reflektion.
Ziel des Projekts ist die Konzeption einer Drone Art Ausstellung, die im Herbst 2018 in Siegen stattfinden soll. Zur Ausstellung werden Medienkünstler wie James Bridle, Achim Mohné, Uta Kopp, Esther Polak oder Björn Schülke eingeladen, die vor Ort Installationen mit fliegenden Drohnen zeigen und mit diesen in der Weise experimentieren, dass auch die Besucher aktiv Teil des Geschehens sind. Daneben werden bereits bestehende aktuelle Kunstwerke ausgeliehen, die die sozial- und medienwissenschaftlichen Diskurse zur Technisierung von Überwachung und Kontrolle reflektieren. Auf diese Weise soll die historische wie auch gegenwärtige Bedeutung von Drohnenbildern einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich und deutlich gemacht werden.


Medienwissenschaftliches Kolloquium


Ausgangspunkt jeder wissenschaftlichen Arbeit ist die Wahl eines geeigneten Themas. Diese Themenwahl ist von entscheidender Bedeutung, weil sie später nicht oder nur schwer korrigiert werden kann. Dieses Seminar soll Ihnen helfen, ein geeignetes Thema für die Masterarbeit auszuwählen und einzugrenzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen eines Walking-Seminars statt. Bitte bringen Sie daher gutes Schuhwerk und ggf. regensichere Kleidung mit. Wir wandern auf alten Keltenwegen zur Wasserburg nach Netphen-Hainchen (17 km) und zurück und übernachten dort vom 21. bis zum 23. Oktober in der Tagungs- und Begegnungsstätte der Lebenshilfe.

Im Sommersemester 2017:


Augmented Reality


Dienstag von 14 bis 16 Uhr in Raum AH-217/218

Aktuelle Augmented Reality-Applikationen versprechen die scheinbar nahtlose Überlagerung des Wahrnehmungsraumes mit digital generierten Elementen. Damit es überhaupt zu dieser Überlagerung kommen kann, bedarf es jedoch gewisser technischer Voraussetzungen: Im Fall von positionsbezogenen Anwendungen muss das Interface zumindest die eigene GPS-Position kennen, komplexere Anwendungen, die etwa digitale Elemente auf physischen Oberflächen platzieren, kommen nicht ohne eine möglichst präzise Vermessung des die AnwenderIn umgebenden Raumes aus. Der Anzeige der Elemente auf dem Display ist also einerseits ein Prozess der Lokalisation, der Positionsbestimmung innerhalb des physischen Raumes vorgelagert, andererseits seine digitale Modellierung bzw. Kartierung.
Vor diesem Hintergrund soll es Ziel der Veranstaltung sein, einen Überblick über die rezente Forschung im Bereich der Mixed Reality-Interfaces geben. Das Lektüreseminar fokussiert dabei zum einen auf die bereits beschriebene Rolle von Sensor- und Kartierungstechnik im Kontext von Augmented Reality-Anwendungen und andererseits auf die durch sie erst hervorgebrachten hybriden Raumformen. Der über die Sensortechnik erzeugte ständige Bezug auf die physische Beschaffenheit des Raumes und der in der Wahrnehmung nahtlos erscheinende Übergang von physischen zu digitalen Objekten stellen dabei die Dichotomie zwischen Realem und Virtuellem in Frage – ob die Rede von ‚augmentierter‘, d.h. aufgewerteter Realität überhaupt zutreffend ist und welche alternativen Beschreibungsmodelle es gibt, soll daher im Laufe des Seminars diskutiert werden.
Als Studienleistung ist ein Referat vorgesehen, die Prüfungsleistung wird in der Verschriftlichung des Referatsthemas bestehen.

Im Wintersemester 2016/17:


Medienprojekt im Bereich Fernsehproduktion


Donnerstag 16.30 bis 19.00 im WDR-Studio

Das Projekt im Bereich Fernsehproduktion findet mit 4 SWS einsemestrig statt. Im Rahmen des Kurses erstellen die Studierenden in Gruppen eigene Beiträge und konzipieren gemeinschaftlich ein TV-Format, das am Ende des Semesters im ZIMT-Studio aufgezeichnet wird. Hierzu finden regelmäßige Einzeltermine im Studio des WDR statt. Nach einer anfänglichen Gruppenbildung (in 3er-Teams) werden die Regeln der TV-Beitragsgestaltung erlernt und die Grundlagen der Sendeplanung vermittelt. Es erfolgt bis Dezember die Umsetzung (Dreh/Schnitt) der jeweiligen Beiträge, die dann im Januar in einer Sendung „gefahren“ werden.


playin’siegen 17 – Festivalorganisation und Begleitforschung


Diverse Blocktermine an Freitagen und Samstagen

Siehe www.playinsiegen.de

In den letzten 10-15 Jahren entstanden weltweit ca. 30 Spielefestivals, wie z.B. „Come Out and Play“ (NY / SF, USA), „Counterplay“ (Aarhus, DK), „Plaython“ (Athen, GR), oder „w00t“ (Kopenhagen, DK). 2015 hat sich „playin‘ siegen“ in die Liste der weltweiten Spielefestivals erfolgreich eingereiht und wird in 2017 fortgeführt.
Playin‘ siegen entsteht in der Zeit von Oktober bis Mai zum zweiten Mal in Siegen. Am Ende des Seminars haben die Studierenden das Festival geplant, organisiert und erfolgreich durchgeführt. Ein weiteres Seminarziel ist die gemeinsame Erstellung eines Handbuchs zur Organisation eines internationalen Spielefestivals wie auch ein individueller Erlebnisbericht.
Voraussetzung für die Seminarteilnahme ist eine Anwesenheit und Mitwirkung am Festival (5.-7. Mai 2017) und Zeitressourcen für die vorlesungsfreie Zeit (März-Mai 2017), insbesondere in der Woche vor dem Festival. Die Termine in der vorlesungsfreien Zeit werden individuell und nach Organisations-Bedarf abgesprochen.


Masterkolloquium


Freitag und Samstag, den 21./22. Oktober, Treffpunkt: AR-K 601

Ausgangspunkt jeder wissenschaftlichen Arbeit ist die Wahl eines geeigneten Themas. Diese Themenwahl ist von entscheidender Bedeutung, weil sie später nicht oder nur schwer korrigiert werden kann. Dieses Seminar soll Ihnen helfen, ein geeignetes Thema für die Masterarbeit auszuwählen und einzugrenzen.
Die Veranstaltung findet im Rahmen eines Walking-Seminars statt. Bitte bringen Sie daher gutes Schuhwerk und ggf. regensichere Kleidung mit. Wir wandern zur Wasserburg nach Netphen-Hainchen (15 km) und zurück und übernachten dort vom 21. auf den 22. Oktober in der Tagungs- und Begegnungsstätte.


Ringvorlesung Locating Media: Place is the Space is the Place


Dienstag 14 bis 16 Uhr in Raum AR-A 1011

Unter dem Motto „Place ist he Space is the Place“ werden in dieser Ringvorlesung die orts- und situationsbezogenen Fallstudien der Kollegiatinnen und Kollegiaten des DFG-Graduiertenkollegs „Locating Media“ vorgestellt. Die Ringvorlesung liefert einen Einblick in die Bandbreite der Forschungsprojekte, die sich im Graduiertenkolleg mit den Interdependenzen von Raum und Ort beschäftigen und im Umfeld der Medien- und Sozialforschung angesiedelt sind. Im Rahmen der Ringvorlesung können Studien- und Prüfungsleistungspunkte erbracht werden.

Im Sommersemester 2016:


Aktuelle Medientheorien


Dienstag 10 bis 12 Uhr in Raum AR-K 613

In diesem MA-Seminar gewinnen Sie einen Einblick in aktuelle medientheoretische Diskurse. Anhand neuester Publikationen und noch unveröffentlichter Studien werden wir uns vor allem mit dem Potential einer praxeologischen Medientheorie befassen. Dazu werden Texte von Harold Garfinkel, Michael Lynch, David Ribes, Susan Schmidt-Horning und Thomas Haigh gelesen und diskutiert. Zugleich werden wir uns in diesem Seminar mit den Gemeinsamkeiten, Divergenzen und Kontroversen einer Medientheorie befassen, die an der Schnittstelle zwischen der Medienwissenschaft und den Science and Technology Studies angesiedelt ist. Dazu werden kontrastiv klassische Medientheoretiker wie Byung-Chun Han, Peter Geimer, Martin Seel, Bernd Stiegler, Joseph Vogl, Lambert Wiesing, aber auch Sozialtheoretiker wie Dirk Baecker und Hartmut Rosa auf Grundlage ihrer aktuellen Veröffentlichungen einer kritischen Revision unterzogen.

Den Seminarplan und die Literatur zum Kurs finden Sie hier.


Aeronautic Media: Kulturgeschichte und Kulturtechniken fliegender Kameras


Donnerstag 10 bis 12 Uhr in Raum AR-A 1001

Anhand historischer Beispiele und aktueller Fallstudien untersucht dieses Seminar, wie das Fliegen zum eigentlichen Mittel des Sehens und Film zum eigentlichen Mittel des Fliegens wurde. Ausgehend von operativen Erkundungen im Kriegseinsatz wird mit Hilfe der Medientheorie Paul Virilios und einschlägigen Studien der Science and Technology Studies die kulturtechnische „Logistik der Wahrnehmung“ nachgezeichnet: ausgehend von der Ballonbeobachtung Ende des 18. Jahrhunderts bis zu Kamera-Drohnen heute. Im Zentrum des Seminars steht dabei die Frage, inwiefern die Kulturgeschichte fliegender Kameras im ästhetischen und epistemischen Austausch mit der Sozial- und Technikgeschichte der Wetter-/Erdbeobachtung, Landvermessung und Echtzeitkartographie steht. Im Rahmen einer empirischen Exploration werden wir zudem die Grunddeterminanten der ActionCam- und Drohnen-Interaktion analytisch zugänglich machen, um dadurch Hinweise für eine praxeologische Mediengeschichte aeronautischer Stand- und Messbilder zu gewinnen.

Den Seminarplan und die Literatur zum Kurs finden Sie hier.


Einführung in die Medienwissenschaft


Dienstag 14 bis 16 Uhr in Raum AR-K 601

Das Seminar vermittelt Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens und Grundkenntnisse der Medienwissenschaft in den Bereichen Medienanalyse, Medientheorie und Mediengeschichte:
Medientheorie ist ein Forschungsgebiet, das sich mit der Begriffs- und Wesensbestimmung (der sogenannten Spezifik) der Medien befasst. Im Seminar werden Grundbegriffe und Methoden zentraler Medientheorien erarbeitet. Wir lernen anhand ausgewählter Texte die wichtigsten Medientheoretiker kennen: u.a. Walter Benjamin und Bruno Latour.
Mediengeschichte als Teilbereich der Kultur- und Technikgeschichte beschreibt medial bedingte Veränderungen der Wahrnehmung und Kommunikation. Im Seminar werden Prozesse der Mediengeschichte auf der Ebene von Produktion, Distribution und Rezeption vermittelt. Mediengeschichte wird im Seminar – mittels exemplarischer Mediendispositive – im Überblick von den Anfängen bis ins frühe 21. Jahrhundert nachgezeichnet: von sprachbasierten über technische (Massen-)Medien bis hin zu digitale Medien.
Seminarziel: Die Studierenden lernen medientheoretische Begriffe und unterschiedliche Medientheorien kennen; sie gewinnen einen Überblick über grundlegende medienhistorische Epochen und Methoden. Nach Abschluss des Seminars ist man mit den Grundlagen des wissenschaftlichen Schreibens, Recherchierens und Zitierens vertraut und in der Lage, eine medienwissenschaftliche Hausarbeit zu verfassen.

Den Seminarplan und die Literatur zum Kurs finden Sie hier.


Mobile Ethnographie: Methoden des Dokumentarischen


Interdisziplinäres Projekt im MA-Studiengang „Medien und Gesellschaft“
Blockseminar in Raum AR-K 612

Das Projekt „Mobile Ethnographie: Methoden des Dokumentarischen“ zielt auf die Bildung und Vertiefung interdisziplinärer Kompetenzen im Bereich der ethnographischen Feldforschung. Anhand praktischer Übungen vermittelt das Projekt Recherchemethoden, Übungen zur Interviewtechnik mit Kamera und Ton, Methoden der dokumentarischen Kameraarbeit sowie Methoden des Life Logging und Participatory Sensing. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes digitale und ethnographische Methoden miteinander zu verbinden und für die eigene Forschung einzusetzen, bspw. im Rahmen einer Oral History oder Mobile Life Study. Das konkrete Projekt besteht in der Analyse, Dokumentation und Erforschung von familiären Situationen und Geschichten, die sich die Studierenden frei auswählen. Es wird Gelegenheit geboten, eine Fragestellung/Thema für eine wissenschaftliche Beobachtung bzw. Kurzdokumentation zu recherchieren, konzipieren und umzusetzen. Die Forschungs- und Entwicklungsaufgabe besteht in einem Beitrag zur Methodenentwicklung oder einer wissenschaftlichen/filmischen Beobachtung von Familiensituationen.

Den Seminarplan und die Literatur zum Kurs finden Sie hier.


Katastrophen im Film


Donnerstag 14 bis 16 Uhr in Raum AR-K 601

Aus dem Griechischen stammend, meint „Katastrophe“ eine „Wendung“ (strophé) „herab“ (katá), einen Umsturz oder gar Untergang, also etwas, das Verderben bringt. Katastrophen sind fest im Mythenkanon verankert: Denken Sie nur an Kassandra, Poseidon oder – dann im biblischen Mythos – den einstürzenden Turm zu Babel. Hüten sollten wir uns davor, den Begriff aufzuweichen, wie es im Journalismus üblich ist, der in jedwedem Unglück und Unfall gleich die Katastrophe wittert.
Im Kino sind Katastrophen so alt wie die Filmgeschichte selbst: Georges Méliès lässt schon 1902 einen Vulkan Feuer speien, und im Slapstickfilm haben Buster Keaton (The General), Charlie Chaplin und andere eine anarchische Freude an der Destruktion der (filmischen) Kulissen und Aufbauten, dem Kollaps der Maschinen und Apparate. Verfügt doch der Film über besondere Verfahren und (Trick-)Techniken, ab den 1990er Jahren dann digital enorm aufgerüstet, Katastrophen zu inszenieren – was der Filmwissenschaftler Tom Gunning als „Kino der Attraktionen“ bezeichnet. Durchaus gab es, etwa in den 1970er Jahren und zum Jahrtausendende, Konjunkturen des Katastrophenfilms, der die Schaulust am ,Negativ Erhabenen’ bedient, am Sensationellen und Überwältigenden, und so einem Spektakel der Sinne frönt. In kathartischen Materialschlachten entfesselt er die von Sigmund Freud beschriebene Angstlust und liefert uns dadurch Stoff für die Entzifferung des „kollektiven Unbewussten“. Häufig wird dabei, amalgamiert mit dem Science-Fiction-Genre, die Katastrophe in die Zukunft verlagert (vgl. Eva Horn: Zukunft als Katastrophe, Frankfurt a.M. 2014), wo dann am Day After Terminatoren und letzte Menschen ums Überleben kämpfen.
Im Seminar unterscheiden wir zwischen menschengemachten Katastrophen (Flugzeugabstürze, Havarien) und sog. Naturkatastrophen (Erdbeben, Sturmfluten), der „Pranke der Natur“ also (Alexander Kluge), wobei es bekanntlich zunehmend schwerer fällt, zwischen beiden eine klare Trennlinie zu ziehen… Während Katastrophen im Film geradewegs dazu einladen, konservative, ja puritanische Werte, Muster und Hollywood-Klischees variationsarm zu transportieren (der männliche Retter, die orientierungslose Frau), gab und gibt es immer auch Filme, die solche Stereotypen ironisiert (Kubricks Dr. Seltsam) oder sozialkritisch umgebrochen haben (Altmans Short Cuts), und diese Filme sind es, denen wir im Seminar ein besonderes Interesse schenken wollen.
Das MA-Seminar geht über strikte Filmanalysen hinaus, indem es theoretische Konzepte aus den Science and Technology Studies einbezieht.

Den Seminarplan und die Literatur zum Kurs finden Sie hier.