In this picture made available Thursday, July 9, 2015, lamps illuminate the path of the first ascent on the Matterhorn mountain, in Zermatt, Switzerland, late Wednesday, July 8, 2015. On the 14th of July, Zermatt celebrates 150 years since the first ascent of the Matterhorn mountain 4,478 metres above sea level. (Jean-Christophe Bott/Keystone via AP)

Medienpraktiken erforschen: Ein Vorstoß

Vortrag von Tristan Thielmann an der Graduate School of the Arts, Universität Bern, 15. Mai 2018

Gegenwärtig scheint die Praxistheorie im Gewandt einer Theorie der neuen Medien – nicht zuletzt weil sich jedwede Form von Praxis in einer Medienpraxis aufzulösen scheint. Der Vortrag möchte daher die Möglichkeitsbedingungen einer Medienpraxistheorie – einer Praxistheorie digitaler Medien – vorzeichnen. Von Nick Couldry gibt es den Versuch, mittels der Praxistheorie herauszufinden, was Menschen mit digitalen Medien so alles anstellen. Das Ergebnis seiner Überlegung ist eine Auflistung verschiedener digitaler Praktiken, die in ihrer Bedeutung dem Zeitgeist sozialer Medien geschuldet sind. Nichtdestotrotz zeigen die gegenwärtigen theoretischen Entwürfe, dass Medien die Eigenschaft haben, Praktiken zu kondensieren und zu explizieren. Sie sind Teil einer Vereinheitlichungs- und Vereinfachungsmaschinerie, da Medien dazu neigen, nur bestimmte Elemente einer komplexen Handlung zu tansduzieren – also einerseits zu repräsentieren, andererseits zu transformieren. Praktiken können daher niemals ohne die sie unterstützenden oder ermöglichenden Medien gedacht werden. Gleichwohl sind Medien selbst nicht in der Lage, sämtliche Dimensionen einer Praxis abzubilden. Der Vortrag geht daher der Frage nach, welche spezifische Form von Sozialität durch die Medienpraxistheorie zum Vorschein kommt, wie auch umgekehrt dargelegt werden soll, welche Medien und Mittler praxeologisch prädiziert werden.

 


Medienmethodologie: Eine Invitation

Workshop mit Tristan Thielmann an der Graduate School of the Arts, Universität Bern, 16. Mai 2018

Unter Einbeziehung verschiedener Erkenntnisse und Verfahren aus der Design-, Ethno- und Technomethodologie, der historischen Ethnographie, der Human-Computer Interaction, der Medientheorie und Akteur-Netzwerk-Theorie versteht sich die Medienmethodologie als Beitrag zur Methodenentwicklung. Im Rahmen dieses Workshops lernen wir, wie historische und neue Medien und Medienpraktiken mit adäquaten Methoden untersucht werden können. Wie lassen sich die Methoden eines Mediums offenlegen? Dazu werden die Organisations-, Produktions- und Nutzungsstrukturen selbst analysiert. Zusammen erarbeiten wir, wie neue epistemische Methoden entstehen und wie historische Medienmethoden bis in die Gegenwart reichen und heutige Künste, Technologien und Praktiken prägen.

Vorbereitungslektüre

Latour, Bruno (2006): „Drawing Things Together. Die Macht der unveränderlich mobilen Elemente“, in: Belliger, Andréa; Krieger, David J. (Hg.), ANThology. Ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, Bielefeld: Transcript, 259-307.

Thielmann, Tristan (2016): “Linked Photography: A Praxeological Analysis of Augmented Reality Navigation in the Early 20th Century”, in: Gómez Cruz, Edgar; Lehmuskallio, Asko (eds.): Digital Photography and Everyday Life: Empirical Studies on Material Visual Practices, London: Routledge, 160-185, http://www.mobilemedia.uni-siegen.de/2016/04/05/linked-photography/.